| Harte Zeiten für Atom |
| Politikfelder - Energie | |||
| Geschrieben von: Stefan Schwan | |||
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Mit Zug und Bus reisten aus dem Kreis Paderborn mehrere hundert Teilnehmer zur Demonstration für eine dezentrale, regionale Energieversorgung und gegen gefährlichen, teuren Atomstrom nach Berlin. Eine gemeinsame Busfahrt wurde vom Bundesverband Windenergie mit Unterstützung der Paderborner Grünen organisiert.
An der Berliner Demonstration gegen Atomstrom nahmen nach Angaben der Veranstalter über 50.000 Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet teil, die Polizei sprach von immerhin 34.000 demonstrierenden Atomkritikern. Als hätte auch dem Herrgott die Forderung nach mehr erneuerbaren Energien gefallen, kam rechtzeitig zum Beginn der Kundgebung bei leichtem Wind die Sonne zum Vorschein Rückenwind erhielten die Demonstranten auch durch eine gerade erst veröffentlichte Studie, die die bisher in die Atomenergie geflossenen Subventionen auf 258 Milliarden Euro bezifferte. Wenngleich der Lobbyverband der deutschen Atomindustrie die Zahlen der von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie als völlig überzogen abtat, ließen es sich die Demonstranten nicht nehmen, auf der Kundgebung auch hierauf aufmerksam zu machen. Die in die Milliarden gehenden steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten durch Rückstellungen der Energiekonzerne würden gemeinhin nicht bei den Subventionen berücksichtigt, die entgangenen Steuerereinnahmen aber von allen Bürgern getragen. Die Atomindustrie verschleiere die tatsächlichen Kosten, Atomkraft sei nicht nur gefährlich sondern auch noch unrentabel, war eine der Thesen der Kundgebung. Konsequenter Weise zog der Demonstrationszug auch an der Berliner Zentrale des deutschen Atomforums, der Lobbyvereinigung der vier größten deutschen Energieunternehmen, vorbei. Auch in einem anderen Punkt sieht es für die Atomenergie momentan extrem schlecht aus. Eine Lösung der Endlagerfrage rückt in immer weitere Ferne. Die bisherigen Endlagerstandorte für atomare Abfälle in Gorleben und Morseleben, aber auch die Lagerung der nicht aus Kernkraftwerken stammenden Abfälle in der „Asse“ stehen unter massiver Kritik. Die schleppenden Untersuchungen im Fall der Asse zeigen immer deutlicher, dass bei der Suche nach und der Einrichtung von atomaren Lagern in den 70er und 80er Jahren massiv geschlampt und getrickst wurde. Expertenmeinungen wurden missachtet und Sicherheitsbedenken den Kostenargumenten aus Politik und Energiewirtschaft skrupellos geopfert. So wurden in der Asse in den 80er Jahren von der damaligen niedersächsischen CDU-Landesregierung gegen die Bedenken von Fachleuten auch hochradioaktive Abfälle eingelagert, die eigentlich für den weit teureren Schacht Konrad bestimmt waren. Der Asse-Untersuchungsausschuss förderte nun in der vergangenen Woche zutage, dass eine Verseuchung des Grundwassers durch die in der Asse gelagerten hochgiftigen Plutonium-Abfällen nicht mehr ausgeschlossen ist, sofern nicht umgehend gehandelt wird. Die hohen Sanierungskosten, die nicht die Bertreibergesellschaft oder die Verursacher sondern der Steuerzahler trägt, belaufen sich nach vorsichtigen Schätzungen auf 4 Milliarden Euro und spielen den Atomgegnern in die Hände. Die Gefährdung durch eindringendes Grundwasser ist der Landesregierung zudem offensichtlich schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt gewesen. Auch aus dem Kreis Lüchow Dannenberg, dem Kreis, in dem das Endlager Gorleben liegt, reisten 350 Landwirte in einem Traktorenkorso nach Berlin an. In Gorleben ist eine Fortführung der Erkundung des Salzstocks vermutlich nur noch durch Enteignung der Grundeigentümer möglich. Diese müssen der weiteren Erkundung nach 2015 erneut zustimmen. Diese Zustimmung ist in vielen Fällen aber mehr als unwahrscheinlich, so dass das Land Niedersachsen um eine Enteignung kaum herum käme. Dass die betroffenen Bauern gewillt sind zu kämpfen, machten sie an diesem Wochenende mit ihrem fast nostalgisch anmutenden und an die 80er Jahre erinnernden Treckerzug auf Berlin deutlich. Doch die Wende in ein neues Energiezeitalter könnte viel schneller kommen, als es der Energiewirtschaft lieb ist. Zur Zeit machen Umwelt- und unabhängige Energieverbände für den Wechsel bei den Endverbrauchern mobil, denn erst 10% der Stromkunden haben bisher ihren Stromanbieter gewechselt, ein großer Teil davon zu Ökoanbietern. Durch die Liberalisierung des Strommarktes kann im Prinzip jeder Kunde selber entscheiden, ob er Atomstrom beziehen will oder aber lieber auf regenerative Energiequellen umsteigt. Durch die Kundenbewegungen auf dem Markt könnte ein Ökostromanteil von 50 % auf der Nachfrageseite schon weit schneller als erwartet erreicht werden. Auch für Paderborner Privathaushalte sind inzwischen fast alle Ökostromanbieter billiger als das Standardangebot der E.ON Westfalen Weser AG. Familien sparen in einem 4 Personen Haushalt durch den Wechsel bis zu 150 Euro und etliche Tonnen CO2 pro Jahr. Das macht den Wechsel attraktiv. „Ich berate Bürger, die wechseln wollen, gerne persönlich“, sagte hierzu der Bundestagskandidat der Grünen Stefan Schwan. Angesichts der Haushaltslage und dem Bekenntnis der CDU zu den UN-Klimaschutzzielen fordern er zudem den Rat der Stadt Paderborn auf, in der Kommune mit Beginn der kommenden Legislatur auch endlich zu billigerem und ökologischerem Strom zu wechseln.
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| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 09. September 2009 um 17:57 Uhr |






